Dein Selbstbewusstsein ist Fake, wenn wir uns nie feiern.
Dein Selbstbewusstsein ist Fake, wenn wir uns nie feiern.
Ich zeige dir, was ich bei mir und meinen Kund:innen beobachte, wenn Wertschätzung nur nach außen verteilt wird und innen nichts ankommt.
Es gab Abende, da sah ich denselben Film bei mir wie bei vielen Menschen, mit denen ich arbeite.
Der Tag war voll.
Meetings, Entscheidungen, kleine Brände gelöscht, zwischendurch privat noch Dinge geregelt.
Auf dem Papier: mega produktiv.
Und dann dieser Moment, wenn es ruhiger wird.
Die To-do-Liste ist kürzer.
Der Kopf nicht.
Statt „Gut gemacht“ läuft innen etwas anderes:
Hättest schneller sein können.
Hättest klarer sein können.
Hättest netter sein können.
Morgen machst du’s besser.
Niemand von außen kritisiert.
Die innere Stimme reicht schon.
Spannend:
Wenn eine Freundin mir denselben Tag schildert, sagte ich sofort:
„Halt mal kurz. Das war viel. Setz dich hin. Sei stolz.“
Zu mir selbst: nein.
Wir behandeln uns, als wären wir die Ressource, nicht der Mensch
In Sessions erlebe ich das in Dauerschleife.
Kund:innen erzählen mir, was sie alles tun, entscheiden, tragen.
Danach kommen die Relativierungen:
„Ist ja mein Job.“
„Andere haben es schwerer.“
„Ich stelle mich nicht so an.“
Wenn wir genauer hinhören, wird klar:
Sie reden über sich, als wären sie eine Art Serviceeinheit mit Gesicht.
Funktioniert? Haken dran.
Noch Luft nach oben? Schön, weiter.
Fehler? Merken. Nächstes Mal härter rannehmen.
Würde man so mit jemandem umgehen, den man respektiert?
Vermutlich nicht.
Wir feiern Kolleg:innen für einen guten Pitch.
Wir loben unsere Kinder für kleine Schritte.
Wir klopfen Freunden innerlich auf die Schulter, wenn sie etwas Schwieriges durchziehen.
Uns selbst behandeln wir oft wie jemanden,
der es „eh gewöhnt“ ist, dass man viel von ihm verlangt.
Selbstbewusstsein wächst nicht aus Selbstkritik
Wir reden gern über Selbstbewusstsein,
als wäre es ein Muskel, den man im Gym der Persönlichkeitsentwicklung aufpumpen kann.
Was ich in der Praxis sehe, ist simpler:
Selbstbewusstsein wächst dort,
wo du mitbekommst, dass du für dich bist und
nicht nur für Leistung,
sondern für dich als Person.
Nicht in den großen Momenten auf der Bühne.
Sondern in den kleinen Szenen,
in denen du innerlich kurz entscheiden könntest:
Ziehe ich jetzt noch über mich her?
Oder erkenne ich an, dass das heute viel war?
Viele von uns nehmen diese Szenen gar nicht wahr.
Sie rauschen durch zwischen Terminen, Scrollen, Einschlafen.
Und so bleibt das innere Konto leer,
egal, wie viele äußere Erfolge draufgebucht werden.
Der Vergleich frisst die letzten Belege auf
Dazu kommt der Klassiker: Vergleich.
Wir haben heute einen ständigen Live-Stream davon,
wie gut andere angeblich klarkommen.
Karriere, Körper, Kinder, Content –
alles verfügbar, alles kommentierbar.
Was passiert?
Selbst die wenigen Momente,
in denen wir uns kurz gut fühlen könnten,
werden sofort relativiert:
„Ja, lief ganz gut –
aber sie macht das größer.“
„War okay –
andere haben mit 30 schon mehr erreicht.“
Der Vergleich frisst die Belege dafür auf,
dass wir auf einem guten Weg sind.
Nicht, weil die anderen „schuld“ wären.
Sondern, weil wir jeden inneren Ansatz von Stolz
sofort mit einem „Ja, aber…“ entschärfen.
Was ich bei meinen Kund:innen sehe, wenn sie anfangen, sich ernst zu nehmen
Der spannendste Moment in der Arbeit ist selten der große Durchbruch.
Es sind die kleinen Verschiebungen im Alltag.
Jemand erzählt mir:
„Ich habe mir gestern Abend zum ersten Mal bewusst gesagt:
Das war ein harter Tag.
Und du hast ihn gut gemacht.“
Kein Mantra, kein Affirmations-Spiegelritual.
Nur ein ehrlicher Satz.
Oder:
„Ich habe gemerkt, wie ich mich mit einer Kollegin vergleichen wollte.
Und habe innerlich gestoppt.
Nicht, weil ich so erleuchtet bin,
sondern weil ich keine Lust mehr hatte,
mir meinen eigenen Moment kaputtzumachen.“
Von außen klingt das unspektakulär.
Innen passiert etwas Gewaltiges:
Das System lernt:
Ich bin nicht nur die Person, die arbeitet.
Ich bin auch die, die sieht, was ich leiste.
Und die, die entscheidet, wie sie mit sich spricht.
Aus dieser Haltung wächst Selbstbewusstsein fast von allein.
Nicht laut, nicht arrogant.
Mehr wie ein ruhiger Nährboden.
Was bleibt, wenn wir uns nicht ständig übergehen
Spannend wird es, wenn wir uns unseren Alltag einmal anders vorstellen:
nicht als endlose To-do-Strecke,
sondern als Kontaktfläche mit uns selbst.
Stell dir vor, du behandelst dich weniger wie ein Projekt,
das optimiert werden muss,
und mehr wie eine Person,
mit der du gern zusammen bist.
Momente, in denen sonst der Vergleich anspringt,
würden kurz anders laufen:
Nicht sofort
„Andere sind weiter.“
sondern vielleicht
„Für heute war das stark.“
Nicht
„Hätte besser sein müssen.“
sondern
„Es war nicht perfekt, aber mutig. Echt.
Meiner Zeit würdig.“
Nicht als rosarote Brille,
sondern als nüchterne Bestandsaufnahme:
Was ist heute tatsächlich gelungen –
trotz Müdigkeit, trotz Druck, trotz Chaos?
Selbstbewusstsein ist dann kein Mysterium mehr,
sondern das Ergebnis von vielen kleinen Momenten,
in denen wir innerlich nicht mehr gegen uns arbeiten,
sondern auf unserer eigenen Seite stehen.
Wenn diese Momente fehlen,
liegt es selten daran,
dass wir „kein Selbstbewusstsein haben“.
Meistens gehen sie einfach unter –
zwischen Mails, Meetings, Denken, Vergleichen.
Weil wir sie nie als das registrieren, was sie eigentlich sind:
Beweise, dass wir längst viel mehr auf die Reihe kriegen,
als wir uns selbst zugestehen.