Überlastet als Führungskraft?
Wie du lernst loszulassen und Verantwortung abzugeben
„Wenn ich ehrlich bin, bin ich die Person, für die immer noch was geht.”
Im Teammeeting:
Alle sind durch, ich sage: Lass uns noch eben…
Zu Hause:
Kinder im Bett, Partner müde. Ich klappe den Laptop wieder auf.
Ich habe nie beschlossen, die Zuständige für alles zu sein.
Es ist einfach passiert.
Irgendwann haben alle angefangen, mich so zu behandeln:
‚Du hast da doch den Überblick.‘
‚Kannst du da nochmal drüberschauen?‘
‚Wenn es wichtig ist, gebe ich es dir.‘
Und ich? Ich sage ja.
Weil ich ja bin.
Weil ich es kann.
Weil ich seit Jahren die Rolle habe: Die, die es am Ende richtet.
Von außen sieht das nach Leadership aus.
Titel stimmt. Gehalt stimmt. Verantwortung stimmt.
Alle sagen: ‚Wahnsinn, was du alles schaffst.‘
Innen fühlt es sich anders an.
Mehr nach: Ich darf keine Sekunde die Hände loslassen,
sonst fällt mir alles entgegen.
Das Absurde:
Ich bin müde, fühle mich aber gleichzeitig schuldig, wenn ich nichts tue.
Ich sehne mich nach Entlastung, misstraue aber allen, die sie anbieten.
Ich sage, ich will Kontrolle abgeben,
und merke, wie sich in mir alles zusammenzieht, wenn jemand wirklich übernimmt.
Wenn ich mir vorstelle, dass mein Team Dinge ohne mich entscheidet,
taucht sofort dieser Gedanke auf:
Was, wenn sie Mist bauen und ich war nicht drauf?
Was, wenn ich plötzlich nicht mehr gebraucht werde?
Also kontrolliere ich weiter.
Ich nenne es “Verantwortung übernehmen”.
Die Wahrheit ist: Ich kann gerade nicht unterscheiden,
wo Verantwortung aufhört und Angst anfängt.
Und das ist der Teil, den ich nach außen selten sage:
Ich fühle mich nicht groß.
Ich fühle mich eher wie ein Mensch,
der ein viel zu großes Haus alleine putzt
und sich gleichzeitig nicht traut, einen Raum zuzumachen.“
Was wir wirklich hören, wenn wir genau zuhören
Wenn man meiner Kundin so zuhört, klingt es im ersten Moment nach:
Zeitmanagement, Delegation, Führungstools.
Aber unter der Oberfläche passiert etwas anderes.
Wir hören:
- Eine alte innere Regel: „Wenn ich es nicht mache, macht es keiner. Und wenn doch, dann nicht gut genug.“
- Ein Sicherheitsversprechen: Kontrolle als Schutz vor Versagen, Kritik, Austauschbarkeit.
- Ein Selbstbild, das an Leistung gefesselt ist: „Ich bin die, die alles trägt. Wenn ich weniger trage, wer bin ich dann?“
Kontrolle ist in diesem Setting kein Charakterzug.
Sie ist ein Beruhigungsmittel.
Solange alles über deinen Tisch läuft,
musst du dich nicht der viel unangenehmeren Frage stellen:
Ob das Leben, das du da organisierst, überhaupt noch zu dir passt.
Darum fühlt sich „loslassen“ für viele so gefährlich an.
Es geht nicht um Aufgaben.
Es geht um Identität.
Lass uns anschauen, warum du glaubst, dass du ohne dieses Übernehmen unsichtbar, ersetzbar oder wertlos wärst.
Wer das liest und sich hört,
weiß ziemlich schnell,
ob er mit mir diesen Rucksack endlich absetzen will
oder noch ein paar Runden damit dreht.